Interview mit Markus Brunner von Suitcon – His Way

(c) Ana Ilic

Neues Jahr – Neues Leben?

Möchtet ihr auch beruflich neue Wege einschlagen, euch selbständig machen, aber ihr traut euch nicht? Wie überwindet man seine Ängste? Wie findet man eine passende Idee? Wie setzt man diese um?

Dazu haben wir Markus Brunner interviewt, ein junger Kärntner Unternehmer, der diesen Schritt gewagt hat. Mit seinem Unternehmen „Suitcon – Your mobile Tailor“ ist er am besten Weg die Erfolgsleiter immer höher zu erklimmen. Er selbst bleibt dabei immer sehr freundlich und bescheiden, wohl mit ein Grund, warum Kunden ihm die Treue halten.

Der studierte Betriebswirt absolvierte sein Studium in Graz und wagte auch den Schritt über die Landesgrenzen hinaus, unter anderem studierte er in Amerika. Während seines Studiums machte er auch ein Praktikum im Investmentbanking einer großen deutschen Bank in Frankfurt, dabei ist offensichtlich der Groschen gefallen: Auf der einen Seite Investmentbanker mit schlecht sitzenden Anzügen und auf der anderen wiederum Investmentbanker mit guten, aber günstig maßgeschneiderten Anzügen aus Bangkok.

Als Ergänzung zum Geschäft seiner Mutter, die schon seit über 30 Jahren ein Stoffhandelsgeschäft in Wolfsberg und ein paar anderen Städten in Kärnten vertreibt, ließ Markus Anzüge in Bangkok maßschneidern und verkaufte diese am Unicampus, eigentlich amateurhaft, über das Geschäft seiner Mutter. Dass die Qualität jedoch nicht den Ansprüchen der Kunden entsprach, führte keineswegs zum Aufgeben. 2013 kam es zu einer Kooperation mit Produktionsbetrieben im Alpen-Adria-Raum. Stoffe werden nur noch exklusiv in Italien und England eingekauft, geschneidert wird in Kroatien, Slowenien und in Deutschland, die finale Qualitätskontrolle findet in Wolfsberg in der hauseigenen Schneiderei statt. So wurde eine Idee zum Geschäft, so entstand Suitcon – Your mobile Tailor.

Mit welchen Ängsten er zu kämpfen hatte, welche Ratschläge er euch auf dem Weg mitgeben kann uvm., das könnt ihr in unserem Interview mit Markus nachlesen:

Her & His: Viele Menschen sind in ihrer Angestelltenposition frustriert und würden gerne ausbrechen. Wie war es für dich als Angestellter zu arbeiten, was für ein Gefühl hattest Du zum Beispiel an einem Sonntag, wenn du wusstest: Morgen muss ich ins Büro!?

(c) Ana Ilic

Markus: Ich kann das sehr gut nachempfinden, da ich von Natur aus ein sehr freiheitsliebender Mensch bin. Als ich in Frankfurt als Praktikant tätig war, war ich schließlich an dem Arbeitsplatz, von dem ich das ganze Studium über geträumt habe, im Handelsraum, mit wahrscheinlich 150 anderen Tradern. Das war vom Sozialen her recht lustig, aber es war immer ein vorgegebener Tagesablauf. Damals dachte ich mir oft, wie cool es wäre, sich die Zeit einfach selber einteilen zu können. Ich denke, das war einer meiner größten Motivationsanreize, warum ich selbständig werden wollte, dass ich mir meinen Tag selber einteilen kann.

Her & His: Wann hast Du das erste Mal darüber nachgedacht, dich selbständig zu machen. Was war der Auslöser?
Markus: Das war definitiv der routinierte Alltag. Ich habe ja Anzüge auch damals schon nebenher verkauft, wobei als ich in Frankfurt mein Praktikum gemacht habe, hat das Projekt quasi geruht. Ich habe mir einfach immer wieder gedacht, dass es cool wäre etwas zu machen. Und da ich schon immer an der Start-up-Szene/Unternehmenswelt interessiert war, habe ich mir immer einige Vorträge dazu angehört. Ich war dann einmal bei einem Vortrag von Gerald Hörhan, er hat damals etwas Einschneidendes gesagt: „Wenn ihr wirklich selbstständig werden wollt, dann habt den Mut und startet einfach mit irgendwas, sei es Wurstsemmeln am Parkplatz zu verkaufen, denn nur so lernt man selbständig zu werden. Und nicht große Businesspläne schmieden und sich die kompliziertesten Ideen ausdenken, sondern wirklich einmal simple Produkte selbständig zu verkaufen.“

Her & His: So hast auch Du gestartet, oder? Du hast ja auch keinen Businessplan erstellt?
Markus: Genau! Ich bin grundsätzlich ein praktisch-orientierter Mensch und wenn ich eine Idee habe, dann geh ich einfach mal raus und schau, ob eine Nachfrage überhaupt da ist. Das erinnert mich an einen weiteren Vortrag von der Wirtschaftskammer, in dem ein Vortragender gesagt hat: „Wer bestimmt wirklich was gut ist? Die Kunden, nicht die Mutter, nicht die Freundin, nicht die Bekannten, sondern wirklich der Kunde.“ Wenn man merkt, da ist Bedarf oder Nachfrage nach deiner Dienstleistung oder nach deinem Produkt, dann mach es doch einfach.
So habe auch ich es probiert. Natürlich rede ich einfacher, wenn es um mein Geschäftsmodell geht. Es gibt auch kapitalintensivere Branchen, wo man am Anfang natürlich mehr Geld braucht und wo du andere bzw. Investoren von deiner Idee überzeugen musst, und dann ist klar, dass man dafür einen Businessplan benötigt.

Her & His: Du bist ziemlich jung Unternehmer geworden. Welche Ängste hattest Du, als Du den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hast? Hattest Du auch mal Existenzängste? Viele schreckt genau das ab…das regelmäßige Gehalt am Konto ist der Grund, warum sich dann doch viele dagegen entscheiden.
Markus: Selbstverständlich, am Anfang sehr oft sogar. Dann hat man Gedanken wie: „Mist, es kommen keine Bestellungen rein.“ Das sind jetzt nicht Stunden, sondern diese Sorgen können sich über Wochen ziehen. Ich habe mir dann oft gedacht: „Ok, vielleicht wäre es doch nicht so schlecht, wennst mal ein paar Bewerbungen schreibst.“ Man ist am Anfang natürlich immer hin- und hergerissen, es kann keiner in die Zukunft schauen, man kann nie wissen, ob das wirklich aufgeht oder nicht. Diese Ängste gehören dazu und mit denen muss man ganz einfach leben. Deshalb ärgert es mich umso mehr, wenn es Unternehmer schaffen, erfolgreich auf selbständiger Basis zu werden, und dann hört man von Leuten: „Ach, der hat einfach Glück gehabt.“ Genau die wissen einfach nicht, was derjenige in der Gründungsphase alles mitgemacht hat. Denn genau diese Sachen, sieht ein Außenstehender nicht, er sieht nur das fertige Produkt und den erfolgreichen Unternehmer dahinter. Aber jeder fängt klein an und es ist immer eine harte Zeit, das weiß ich von mir selber auch.

Her & His: Suitcon läuft ja nun sehr gut an; du bist sicher sehr stolz darauf. Erzähl uns mal ein bisschen von deinem „Baby“.

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(c) Suitcon, Anzug Sporty Business

 

Markus: Also, wir haben jetzt mal die erste Hürde geschafft, sodass wir als kleiner Betrieb leben können. Ich habe jetzt 3 Schneiderinnen fix angestellt und drei Vertriebspartner, die in Form von Handelsagenten für uns tätig sind. Und das ist jetzt auch die Herausforderung für die Zukunft, dass man die Handelsagenten fit macht, das Produkt so gut verkaufen zu können, wie wir jetzt im kleinen Team. Das ist eine kleine Schwäche von unserem Modell, wir haben kein fertiges Produkt, dass man einfach weitergibt, sondern es hängt wirklich von der Kompetenz und den Fähigkeiten der Verkäufer/in ab.

Her & His: Aber noch bist Du derjenige, der zu den Kunden geht?
Markus: Ja, teils teils, die Handelsagenten sind schon auch unterwegs und gehen zu den Kunden, die sie bringen. Aber ich bin trotzdem noch immer genauso viel unterwegs.

Her & His: Wie schauen deine beruflichen und zukünftigen Pläne/Ziele für Suitcon aus?
Markus: Die Zukunft von Suitcon soll einmal so ausschauen, dass wir in so vielen Städten wie möglich SuitCONSULTANTS haben, davon leitet sich auch der Name Suitcon ab, die dann praktisch auf mobiler Basis zu den Kunden nach Hause oder ins Büro kommen und diese mit Anzügen beraten und hoffentlich schlussendlich auch verkaufen und mit den lokalen Schneidereibetrieben zusammenarbeiten. So schafft man auch wieder eine Auftragslage für eine gute und alt eingesessene Schneiderei, und man hat ein flaches onlinebasiertes Geschäftsmodell, das ist die Vision von Suitcon. Die Männer sollen gar nicht mehr auf die Idee kommen, einen Anzug in einem Geschäft zu kaufen, sondern sich lieber einen Suitconsultant nach Hause bestellen. Und ich muss nirgendswo hingehen, mir keinen Parkplatz suchen etc., denn das ist ja schließlich auch unser USP, unsere Kernkompetenz ist nicht, dass wir die besten Anzüge machen, sondern das beste Servicemodell bieten. Das ist so der langfristige Ausblick und kurzfristig bzw. mittelfristig, möchte ich das bis in 2 Jahren in ganz Österreich etabliert haben und in jeder Landeshauptstadt zumindest einen Suitconsultant haben.

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(c) Suitcon, Anzug Creative

Her & His: Hast Du auch einen Anzug aus einem Geschäft in deinem Kleiderschrank?
Markus: Ehrlichweise ja, aber den zieh‘ ich nicht mehr an. Ich habe mich nicht überwunden den wegzuschmeißen, das ist mein damaliger Maturaanzug, aber sonst nur Anzüge von Suitcon.

Her & His: Kannst Du dich noch an den ersten verkauften Anzug erinnern? Wie war das für dich?
Markus: Ja, kann ich, du wirst lachen, wenn ich dir sage wer das war. Es war nämlich der Hannes, mein Cousin, man fangt ja in der Familie an (Anmerkung Her&His: gemeinsamer Freund). Und ich muss ehrlich sagen, dass es ein Experiment war. Wir haben den Anzug bestellt, dieser hat dann aber nicht ganz gut gepasst, und wurde dann in der eigenen Schneider verbessert und somit hat der Anzug schlussendlich den Laden korrekt verlassen.

Her & His: Welche Art von Kundschaft hast Du?
Markus: Also die Preisklasse, wo ich uns definieren würde, ist die obere Mittelklasse. Für die Herren sag ich immer so eine „5er-BMW-Audi-A6-Liga“, das verstehen sie dann ganz gut (lacht). Wir sind bei den Preisen längst noch nicht in der Luxusliga unterwegs, da gibt es noch ganz andere. Aber eben schon Rechtsanwälte, Unternehmer, Ärzte, Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen. Und nicht zu vergessen, betuchtere jüngere Leute.

Her & His: Wo holst Du deine Ideen/Inspirationen für die Anzüge?
Markus: Gute Frage! Man informiert sich natürlich immer wieder auf den aktuellen Modemessen, z.B. die Pitti Uomo in Florenz, das ist DIE Fashionshow für klassische Herrenmode weltweit, wo man sich wirklich coole Anregungen holen kann. Dann natürlich die Berlin Fashionshow, die ist eher im Kommerzbereich, eher alltäglich. Grundsätzlich kommen die Fashionideen schon eher aus Italien.

Her & His: Was sind die 3 wichtigsten Dinge, die ein Mann beim Kauf eines Anzugs beachten muss?
Markus: Die Passform, das ist das Um und Auf, da verzichte ich lieber auf den Stoff, der mir vielleicht besser gefällt. Die Qualität des Stoffs und die Marke, dass man sich darauf verlassen kann, dass es ethisch ok hergestellt worden ist und natürlich die Nähqualität.

Her & His: Planst Du auch mal für Frauen Maßkleidung anzubieten?
Markus: Ich würde es sehr gerne, aber zurzeit fehlt mir die Kapazität dafür. Ich bräuchte natürlich eine Dame, die das in die Hand nimmt. Und vor allem, um auf die Inspirationsfrage zurückzukommen, auch wenn wir klassische Mode machen, es gibt z.B. bei den Blusen Kleinigkeiten, die anders sind und da trauen wir uns jetzt noch nicht, Damen zu beraten. In erster Linie wollen wir uns einfach im Bereich der Männermode einen Namen machen.

Her & His: Du lebst ja derzeit in Wien, pendelst aber zwischen Wien, Graz und Wolfsberg. Wo möchtest Du dich niederlassen?
Markus: (wie aus der Pistole geschossen) Pörtschach am Wörthersee

Her & His: Wieso Kärnten?
Markus: Ich bin sehr heimatverbunden, obwohl ich sehr viel international unterwegs war, aber mir gefällt es hier am besten, wir haben ja auch alles, viele können das gar nicht schätzen und müssen zuerst einmal weg um zu merken, wie schön es in Kärnten ist. Also ein Heim mit Blick auf die Karawanken oder im idealsten Fall mit Blick auf den See, ist glaub ich unbezahlbar.

Her & His: Erkennst Du einen Unterschied zwischen den Kunden in Kärnten und in Wien?
Markus: Nein, eigentlich nicht.

Her & His: Was würdest Du einer Person raten, die mit dem Gedanken spielt sich selbständig zu machen bzw. sich neu zu orientieren, weil der Frust im derzeitigen Job groß ist?
Markus: Probieren, nicht von heute auf morgen entscheiden: mach ich es oder nicht. Einfach neben der Arbeit probieren und schauen, ob die Idee, die man hat, Potenzial und Sinn hat. Erforschen, ob es nach der Idee/dem Produkt eine Nachfrage gibt. Dann sieht man es eh. Und sich über weitere zukünftige Sachen keine Gedanken machen. Wenn ich mit meinem Modell starte, dann sehe ich, ob es weitergeht oder nicht. Ich habe auch nie gedacht, dass ich Sachen aus dem Alpen-Adria-Raum verkaufen werde, zuerst war es Bangkok und man hat dann gesehen, ok der Bedarf nach dem Service ist grundsätzlich da, aber die Qualität passt nicht und dann muss man ohnehin reagieren. Das schöne betriebswirtschaftliche Wort „Effectuation“ erklärt es ganz gut, dass man keinen geradlinigen Weg geht, sondern sich über Zickzackwege nach vorne kämpft. Aber dieser Zickzackweg ist ja nichts Negatives, dadurch kommt sehr viel Kreativität und eben nicht nur ein gewohnter Tagesablauf.

Her & His: Was sind für dich die schönsten Seiten des Lebens?
Markus: Freunde und Familie, das ist das wichtigste am Ende des Tages, weil man durch sie am meisten Kraft schöpft. Das wird einem erst dann so richtig bewusst, wenn man Freunde lange nicht sieht, so wie alte Studienkollegen und mit denen mal wieder Zeit verbringt und am nächsten Tag dann wieder alleine ist, merkt man, wie lässig die Freundschaft wirklich ist. Zurzeit ist das bei mir so, vielleicht sind es ja einmal die Kinder (lacht).

Zum Schluss haben wir Markus ein paar Schnellfragen gestellt, die er beenden musste:

  • Ich bin ein: kleiner Schneider
  • Ich tanke Kraft bei: Freunden und mit der Familie
  • Ich habe Angst vor: der zunehmenden Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft
  • Das würde ich in Kärnten verändern: Einiges
  • Dieses Buch möchte im empfehlen: Ich lese zurzeit von Al Gore „Die Zukunft: Sechs Kräfte, die unsere Welt verändern“, in dem es um die 6 starken Gewichte gibt, die unsere Welt im 21. Jahrhundert formen werden. Absolut lesenswert, aber empfehlen würde ich „Der Gentleman: Handbuch der klassischen Herrenmode“ von Bernhard Roetzl, ein klassisches Werk der Herrenmode
  • Mein Erfolgsrezept ist: Optimismus
  • Mein Lebensmotto ist: Never ever quit or give up
  • Deine letzten Worte sollen sein: Ich habe gelebt
  • Bist Du Single?: (lacht) Ja

Wir möchten uns hiermit bei Markus Brunner für das ausführliche Interview bedanken und wünschen ihm und Suitcon alles Gute!!!

Ich hoffe euch hat der Blogeintrag gefallen und Markus konnte euch mit seiner Geschichte bzw. seinen Ratschlägen dazu bewegen eure Ideen nach außen zu tragen! Macht es so wie er: Geht raus und verkauft euer Produkt! Was kann schon schiefgehen? Merkt euch den Satz des brasilianischen Schriftstellers Paulo Coelho:

„Wenn Du glaubst das Abenteuer sei gefährlich, versuche Routine. Sie ist tödlich!“

Das Interview führte und schrieb Ana Ilic. Vielen Dank für deine Unterstützung, liebe Ana!

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